Whisky, Wodka, Gin sind längt in der Ortenau angekommen. Kommt jetzt als nächstes Rum? In Rheinau-Freistett liegt schon mal was leckeres im Fass…

Mon dieu, ist das ein Trubel! Aber Manfred Hetz hatte mich ja vorgewarnt. „Komm’ am Freitagnachmittag, da ist die Hölle los“, meinte der Chef am Telefon. Jetzt stehe ich hier, kurz vor dem Wochenende, in dieser proppenvollen Spirituosenabteilung seines Getränkeladens in Rheinau-Freistett direkt an der französischen Grenze. Und als ich gerade voller Neugier meinen Blick durch die erste Regalreihe schweifen lassen will, habe ich schon das erste Glas vor der Nase. „Bonjour, mal probieren?“ Ich blicke auf. Vor mir steht ein riesiger Kerl von kräftiger Statur. Doch keine Zeit für Ehrfurcht – ein freundliches Grinsen zieht mich sofort ins Gespräch. „Ich bin Robert“, stellt sich der Mann mit französischem Zungenschlag vor und reißt gleich zwei weitere Kunden in die kleine Runde. Schon sind wir beim Lieblingsthema des Elsässers und dem, was mir mit großen Händen noch immer unter die Nase gehalten wird: Rum. Das Zeug riecht so gut, ich muss jetzt erst mal nippen.

Wodka, Whisky, Gin – die Spirituosenwelt ist in den vergangenen Jahren globaler geworden. Seither müssen wir uns hier im Südwesten längst nicht mehr nur mit Obstler, Willi und Rossler begnügen. Whisky und Wodka haben inzwischen viele Ortenauer Brenner im Angebot. Gin sowieso. Glaubt man Branchenkennern, dann soll jetzt Rum der nächste große Renner werden. Manfred Hetz jedenfalls wäre schon mal gut aufgestellt. Zum einen hat er Robert, einen Enthusiasten, der mit Wissen, Passion und Charisma die deutsche wie die französische Kundschaft für Rum begeistert. Dabei war er am Anfang selbst nur ein Kunde, der regelmäßig vorbeischaute und allen möglichen Leuten im Markt von seinem Lieblingsgetränk vorschwärmte. Inzwischen kommt der Elsässer jeden Freitag- und Samstagnachmittag nach seiner eigentlichen Arbeit in den Laden. „Wir konnten mit Robert nicht mithalten. Er wusste anfangs mehr über Rum als wir“, erzählt Manfred. „Also habe ich es lieber selbst in die Hand genommen“, ergänzt Robert und grinst. Getränke Hetz gehört mit rund 600 Sorten bereits jetzt zu den größten und bestsortierten Rum-Verkäufern Deutschlands. Mit Whisky, Gin und dem ganzen Rest bringt es der Laden auf rund 1500 hochprozentige Schätzchen in den Regalen. Und weil Rum im Hause Hetz inzwischen schon so etwas wie ein Mantra geworden ist, gibt es künftig sogar einen eigenen: den Tortuga. Ein bisschen Piraten-Klischee gehört halt doch irgendwie dazu. Das Zeug selbst zu brennen, ist allerdings nicht einfach. Der Grund: Das Ausgangsprodukt, in der Regel Melasse, die aus Zuckerrohr gewonnen wird. In der Ortenau wächst ja bekanntlich vieles, das Süßgras aber, das konstante Temperaturen zwischen 25 und 30 Grad liebt, dann eben doch nicht. Experimente mit Auszügen von der Zuckerrübe, so wie es bereits einige deutsche Brenner probiert haben, reichen geschmacklich lange nicht an das Original heran. Also muss man die Melasse entweder massenhaft aus Übersee beziehen. Oder man kauft sich gleich fertiggebrannten Rum, so wie das Manfred Hetz und sein Team, zu dem noch Schwester Monika und Whisky-Experte Joshua Kaiss gehören, gemacht haben. „Wir haben auch in Deutschland gebrannten Rum probiert, aber der reicht einfach nicht an die Übersee-Brände heran“, sagt Manfred. Die Suche hat etwas gedauert. Schließlich sollte der Ausgangsstoff ein sehr guter sein. Verschiedene klimatische Bedingungen bei der Maischeherstellung, Hygiene, gute Zutaten: „Die Qualitätsunterschiede beim Rum sind enorm“, sagt der Getränkehändler. Auf Barbados wurde das Hetz-Team schließlich fündig.
In Deutschland angekommen, wurde der zehn Jahre alte karibische Rum fürs Finish in verschiedene Fässer gefüllt – in ein altes Portweinfass, in eines, in dem vorher Cognac reifte, und in eines aus amerikanischer Weißeiche. Jedes gibt dem Rum nun eine eigene Geschmacksnote. Vom mild-fruchtigen Touch bis zum etwas kräftigeren Abgang. Ab Herbst soll Tortuga fix und fertig im Laden stehen. Während im ganzen Land mittlerweile deutscher Rum vermarktet wird, gehört Tortuga in unserer Region noch zu den ersten. Der Altenheimer Edelbrenner Markus Wurth experimentiert mit edlem Zuckerschnaps, der jahrelang in einem alten Hansekontor in Bremen sein Dasein fristete – aber that’ s it. Beim Badischen Kleinbrennerverband weiß man jedenfalls von keinen ähnlichen Vorhaben in der Region. Manfred und sein Team leisten also Pionierarbeit. Und auch im Verkauf gibt es noch einiges zu tun. Denn die Vorzüge des Rums, seine Vielfalt und Komplexität, sind bei vielen Ortenauern längst noch nicht angekommen. Bei unseren Nachbarn, denen die edlen Tropfen durch die Kolonialzeit Frankreichs in der Karibik vertrauter sind, schon eher. „Die meisten Käufer sind Franzosen“, erzählt der Eslässer, während er längst vielen weiteren Kunden Gläser in die Hand gedrückt hat. Probieren ist Pflicht. Schließlich lässt man für Rum ordentlich Scheine liegen. Und schon hat er die nächsten Neugierigen im Blick. An Monsieur Robert und seinen Lieblingen kommt in Freistett eben niemand so einfach vorbei.

Hochprozentige Auswahl

Mehr als 1500 verschiedene Spirituosen hat Getränke Hetz in seinem Sortiment. Kunden können aus rund 500 geöffneten Flaschen probieren und an regelmäßigen Rum- oder Whisky-Tastings teilnehmen. Getränke Hetz, Im Kirchkopf 1, 77866 Rheinau-Freistett Weitere Infos unter www.getraenke-hetz.de

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Text: Stephan Fuhrer  Fotos: Jigal Fichtner

WEISSER UND BRAUNER RUM?

Wie unsere Obstbrände, so ist auch ein Rumbrand nach der Destillation zunächst farblos. Den gelblichbraunen Ton erhält er ähnlich dem Whisky erst bei der Lagerung im Holzfass. Täuschen lassen sollte man sich bei der Färbung allerdings nicht! Bei großen Handelsmarken kommt schon mal nachträglich Zuckercouleur in die Flasche. Auch farbloser (weißer) Rum kann zum Teil gelagert sein – etwa im Edelstahlfass. Bei manchen Sorten, die eine zeitlang im Eichenfass lagen, wird die Färbung durch Filtrierung wieder entzogen.

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