Mädels, jetzt gibt es was zu gucken! Sebastian Wehrle hat Männer in Trachten gesteckt und arbeitet damit weiter am neuen Bild vom Schwarzwald.
Warum, Wieso und Weshalb? Das erklärt er im Interview mit Ulf Tietge

Brust rein, Bauch raus, Männer! Sebastian Wehrle hat ein neues Projekt veröffentlicht und wird in den sozialen Medien gerade für seine neuen Mannsbilder gefeiert. Dass wir dank Sebastian die ersten drei Motive jetzt schon für Euch im Blatt haben – das freut uns. Dazu gibt es ein bemerkenswert offenes Interview, das Ulf mit Sebastian führen konnte. Sehr spannend, was Sebastian über seinen Streit mit Jochen sagt, was er von Mitläufern und Mitmachern hält und warum er inzwischen mit großer Freude mehr denn je arbeitet …
Deine weiblichen Fans auf Facebook sind ganz aus dem Häuschen: Endlich gibt es hübsche Männer von Dir!
Ja, ich hab’ mit Mannsbilder auf die Wünsche der Fans gehört und bekomme seither ständig positives Feedback. Es freut mich sehr, so eine massiv tolle Resonanz zu haben. 😀 Meine Facebookseite und mein Instagram-Profil bekamen allein durch die Mannsbilder Tausende neuer Likes. Es ist ein tolles Gefühl, den Geschmack der Menschen getroffen zu haben.
Wird das eine Serie? Und wenn ja: Wie viele Motive sind geplant?
Ja, aber über die genaue Zahl möchte ich noch nichts sagen. Aber Du kannst sicher sein: Da kommt noch was …
Unter uns: prominente Namen dabei?
Ja. Den Jan Ehret kennst Du ja sicher. In Freiburg ist er ein Star und steht für eine besondere Lebenseinstellung. Du kannst Dich sicher noch an Oliver Rath erinnern, an Berlin Bohême und solche Projekte. Aber ihn zu shooten, war eine eher spontane Idee.
Seit Du Dich mit Jochen überworfen hast und vor Gericht auseinandersetzt, kann man manche Fragen gar nicht mehr stellen, ohne dass es komisch klingt. Ich versuche es trotzdem mal: Wie bist Du auf die Idee gekommen?
Ich hatte die Idee schon mit elf Jahren zur Kommunion. Da habe ich schon das erste Selfie in eigener Tracht gemacht und auch gleichzeitig das Selfie erfunden. 😀 😀 😀 Spaß bei Seite: Die Idee stammt aus einem ganzen Sammelsurium an Inspirationen von Künstlern und Fotografen, allen voran Stefan Strumbel. Ich bin auch nicht der Erste, der das Thema umgesetzt hat, das gab es schon 2011. Allerdings bin ich wohl der Erste, der es fotografisch schön genug umgesetzt hat. Das Konzept und die Art, wie die Serie nun aussieht, haben sich dann im September 2014 realisiert, da wusste Scherzinger nicht einmal, dass ich Schwarzwaldmädels porträtiere. Der Bollenhut war das zweite Motiv, das erste die Hornkappe Freiamt. Das Ganze fing also ohne Scherzinger an und hört ohne ihn auf. Die kleine Episode mit ihm war schön und nachhaltig, das reicht dann aber auch. 😉
Was kommt als Nächstes: Kinder? Das Elsass? Oder musst Du gar nicht mehr arbeiten?
Ich bin ja nun deutschlandweit beziehungsweise europaweit unterwegs. Auch im Elsass. Und das Trachtenthema ist fast unerschöpflich schön. Trotzdem habe ich auch was ganz anderes Tolles in Planung, das ist aber noch topsecret. Das Thema Heimat könnte aber miteingeflochten sein. Ob ich noch arbeiten muss? Was für eine Frage. Ich arbeite länger und intensiver denn je und will das auch in der Zukunft.
Das klingt fleißig …
Arbeiten ist für mich ein positiver Begriff. Ich hab’ einen Betrieb gegründet, der das Thema Heimat bedient, davon kann man leben und Mitarbeiter beschäftigen. Trachtenvereine, das Finanzamt und die Gemeinde freuen sich über Einnahmen. Das ist super. Es aber des Geldes wegen zu tun, halte ich für falsch. Man sollte tun, was einem Spaß macht. Das ist mein Antrieb Es ist doch toll, wenn man von seiner Jahrzehnte alten Leidenschaft leben kann. Ich glaube, es ist besonders interessant, wenn andere Kreative dazu animiert werden, in Sachen Schwarzwald-Fotografie tätig zu werden. Ich finde es bemerkenswert, wenn man durch Fotografie so berührt wird und dann aus einem anderen Beruf heraus zu den Fotokünsten schwenkt: Das sagt doch viel aus …
Es gibt inzwischen viele Leute, die auf der Welle von modernen Trachtenbildern mitschwimmen. Stört Dich das?
Ich finde es toll, dass ich andere inspiriere und ich freue mich immer, wenn ich auch andere Fotografen sehe, die das machen. So lange sie nicht kommerziell kopieren, ist das völlig in Ordnung und ein Kompliment. Grundsätzlich ist es toll, dass so ein Projekt die Leute animiert, etwas zu tun. Und wenn die Menschen mit ihrer Heimat wieder in Resonanz kommen, ist das doch super.
Kannst Du als Fotograf erklären, warum Deine Bilder so magisch wirken?
Ist das die hohe Kunst von Photoshop oder einfach das Auge fürs richtige Model und das richtige Styling? Wahrscheinlich wirken die Bilder so, weil ich zwei verschiedenfarbige Augen besitze und in die Seele der Models blicke. Spaß. Ich denke: Es ist vor allem der Ausdruck und den üben wir kräftig vor der Kamera. Im Großen und Ganzen ist es die etwas verkürzte Verkettung zwischen Model, Ausdruck, Technik und Präsentation.
Du wirst immer wieder mit den Trachtenbildern assoziiert – in Wirklichkeit aber bist Du genauso gern mit der Kamera in der Natur oder auf Reisen. Geht das, wenn man jedes Wochenende eine Ausstellung eröffnet?
Ja, das geht. Man muss sich nur die Zeit nehmen. Ich war vor Kurzem für je einen Tag am Bodensee und in der Wutachschlucht – perfekt zum Entspannen. Davor war ich in Indien und in New York, zwar geschäftlich und mit 200 % Fotografe, aber immerhin …
Ich habe noch eine blöde Frage: Kannst Du einem einfach gestrickten Journalisten wie mir erklären, warum sich Jochen und Du vor Gericht streiten?
Ich kann es mir auch nicht erklären, zumal es zwischen uns bis Ende 2015 eine faire Regelung gab. Allerdings ist eine Klärung vor einer unabhängigen Instanz eine tolle Sache und es ist doch super, dass wir ein so tolles Rechtssystem haben. Ich glaube: Ein Streit ist auch immer für etwas gut. Ich hätte mich nie getraut, einen Anwalt einzuschalten, wenn man dann aber rechtlich gezwungen wird, lernt man auch eine neue Welt kennen und so schwarz-weiß sehe ich diese nicht. Auf kurz oder lang wird sich das definitiv klären – des isch doch subber.
Halb Baden diskutiert euren Fall. Die üblichen Plattitüden zu Geld und Freundschaft, Neid und Gier hört man ständig. Aber: Geht es wirklich nur um Geld?
Konkret gesagt geht’ s weder um das eine noch um das andere. Es geht um das Miturheber- und Urheberrecht – und das ist wirklich ein ganz besonderes Thema. Vor allem in diesen Zeiten, in denen auch viel übers Internet läuft. In einem Jura-Kurs hätte ich bestimmt nicht so viel gelernt wie in diesem Rechtsstreit. Für mich ist die Auseinandersetzung wichtig, es geht ja darum, was ich mit meiner Fähigkeit, meinen Models und meinen Kameras geschaffen habe.
Klingt ein bisschen nach One-Man-Show.
Von wegen! Bei so einem Projekt braucht es immer Unterstützer, allen voran die Trachtenverleiher. Da bin ich besonders über das Vertrauen dankbar. Die Models, die Hair- und Make-up-Stylisten sowie mein Team mit Katz und Hund tragen ebenfalls viel zu den Bildern bei und müssen erwähnt werden. Alles in allem also: ein tolles Teamwork.

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Text: Ulf Tietge Fotos: Sebastian Wehrle

Fast 5000 Fans auf Facebook, gut 1800 Follower auf Instagram: Sebastian Wehrle ist mit seinen Trachtenbildern eine regionale Berühmtheit geworden. Fast jede Woche eröffnet irgendwo eine Ausstellung mit seinen Bildern, Ihr findet die Termine auf www.sebastian-wehrle.de

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