Kein Bock auf Einheitsplörre: In  Freiburgs erster Craft-Beer-Garage schenken die Decker-Jungs  handgemachtes Gebräu aus und huldigen der regionalen Vielfalt


Was macht man, wenn man Lust auf geschmacklich vielfältige Biere hat und keine findet? David Schneider, Daniel Johari und Markus „Emmes“ Gut gingen einfach mal in kleine Brauereien in der Region und nannten ihre Vorstellungen. Zum Beispiel nach Elzach in die Löwenbrauerei: „Ihr wollt mein Bier kontaminieren?“, hakte Braumeister Johannes Dold nach. Die drei Freiburger meinten es ernst. Sie baten Dold um ein kaltgehopftes Pils, in das nach der Gärung noch ein mit Aromahopfen gefülltes Säckchen zu geben sei – als lebendige Geschmacksbombe sozusagen. Das Verfahren ist alt, doch es war zuletzt in Vergessenheit geraten: zu unsteril, zu aufwendig. Der Braumeister war anfangs skeptisch, willigte aber schließlich, neugierig geworden, ein.

Gut ein Jahr später. Es ist kurz vor 17 Uhr. Wie jeden Freitag öffnet gleich die Decker Garage, Freiburgs erster Craft-Beer-Probierladen, in einem Hinterhof an der Haslacher Straße. Gegenüber schraubt ein Mechaniker an einem alten VW-Bulli, zwei Jugendliche schleppen

ihre Gitarren über das Gelände zum Proberaum. Kein Zweifel: Das Ambiente ist so alternativ wie das Bier, das hier seit vergangenem Sommer ausgeschenkt und verkauft wird. Emmes, der nebenan einst die derzeit geschlossene Szenebar „Schmitz Katze“ mitbegründete, räumt Bierkisten aus dem Auto und stellt Hocker an improvisierte Tische. In der wohnlich eingerichteten Garage schmeißt David, von Haus aus Marketing-Fachmann, noch schnell den Staubsauger an. „Das ist hier zwar ein Anti-Biergarten-Konzept, eine gewisse Ordnung muss aber sein“, sagt der 33-Jährige.

Die Garage soll eben unangepasst, aber trotzdem einladend wirken, wenn gleich die ersten Gäste des Tages kommen, ihre mitgebrachte Rote auf den Gemeinschaftsgrill legen und sich mit Bier eindecken: neben dem aromatischen, blumigen „Derb“ zum Beispiel mit dem kaltgehopften, goldgelben „Øl“ von Johannes Dold, dem leicht rauchigen Weizenbier „Banana Joe“ mit dem dezenten Aroma von reifer Banane und Nelke oder dem mit Röstmalz veredelten, roten Export „Redneck“, das auf der Zunge einen süß-herben Honig-Karamell-Geschmack hinterlässt. Auch ganz lecker: „Blondie“, ein feinherbes, nicht zu süßes Helles mit feiner Hefenote und Bitterhopfenanteil. Acht Sorten umfasst das feste Decker-Angebot derzeit, dazu kommen immer mal wieder Sonderbiere. Alle handgemacht – Craft Beer also, wie es neudeutsch so schön heißt. Alle ungefiltert und aus besten regionalen Zutaten.

Bis auf drei Sorten gibt es das Gebräu nur in Ein-Liter-Flaschen (7,50 Euro) zu kaufen. Warum das so ist? „Wenn man gute Biere hat, dann ist das wie mit Wein – man trinkt sie am besten mit Freunden, diskutiert darüber und genießt“, sagt Emmes, der übrigens aus einer Winzerfamilie stammt. Namen, Flaschendesign und Marketing stammen von den Freiburgern, das Bier selbst kommt von kleinen Brauereien aus nächster Umgebung.

Neben der Löwenbrauerei in Elzach wird auch in der Dorfbrauerei in Köndringen, im Kleinen Bierhaus in Schwanau und in der Römerbrauerei in Riegel für die alternative Szene gebraut. „Wir wollten die besten Biere aus der Region unter einem Label vereinen, dem Zeitgeist anpassen und sie so vielen Leuten wie möglich zugänglich machen“, erklärt David die Idee. Der Name ist ein Fantasiewort. „Decker klingt derb und nach Dachdecker, also nach Handwerk – so wie unser Bier“, sagt Emmes. Zudem habe man die Biervielfalt aus der Region unter einem Dach zusammenführen wollen. Die Idee funktioniert. Decker-Bier gibt es inzwischen auch in vielen Bars und Kneipen der Breisgau-Metropole und seit Kurzem auch bei Decker`s Frische Center in der Ortenau.

Vor der Garage wird es langsam voller. Ob Anzugträger, Studenten in schlabbrigen Jogginghosen oder Handwerker, die im Blaumann von der Arbeit kommen: An der Haslacher Straße trifft sich ein buntes Publikum. Was alle verbindet, ist die Liebe zu gutem Bier. Und vielleicht gibt es für die Freunde von Hopfen und Malz schon bald wieder Neues zu entdecken.

Die Decker-Jungs tüfteln jedenfalls weiter. Und die Suche nach den besten regionalen Bieren ist auch noch nicht vorbei, wie David versichert. In der Region dürfte schließlich noch so manches Gebräu schlummern, das sich sicher gut in einer Decker-Flasche machen würde.

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Text: Stephan Fuhrer  Fotos: Stephanie Fihn

Die Jungs von Decker Bier
Die Jungs von Deckerbier

Mehr findet ihr unter deckerbier.de/

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